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Rasseporträt

Die Geschichte Des Shires

zusammengefaßt von Torsten Retemeier

Große Pferde schon vor Cäsar in England

Die Tatsache, das Julius Cäsar, als er im Jahre 55 v. Chr. einen Eroberungszug nach Großbritannien unternahm, dort Pferde von ansehnlicher Größe und Schwere vorfand, verleiht der von Sir Walter Gilbey aufgestellten Behauptung, dass diese Tiere als die Vorfahren des alten englischen Kriegsrosses und späteren Shire-Pferdes anzusehen seien, einige Wahrscheinlichkeit. sicher ist aber, dass es schon lange vor König Wilhelm des Eroberers Regierungsantritt (1027) schwere Pferde in England gab und dass diese Gegenstand besonderer Fürsorge seitens der englischen Herrscher gewesen . Lorem Ipsum

Flandrische Importe

Allerdings hatten die damaligen Machthaber hierbei nur den Zweck im Auge, ihren Bedarf an kräftigen Streitrossen zu decken, denn die landwirtschaftliche Zugarbeit wurde zu jener Zeit ausschließlich mit Ochsen verrichtet. Erst während der Regierung Wilhelm des Eroberers begann man, sich des Pferdes auch zu friedlicher Arbeit zu bedienen. Damit war der Impuls zu weiterer Entwicklung des “Great Horese” gegeben. Wie in Maddox´s “History of the Exchequeer” mitgeteilt wird, suchte König Heinrich II (1154-89) diese auch durch Importe “From beyond the sea” zu fördern. Leider weiß Maddox nut zu berichten, was der Unterhalt dieser “von jenseits der See” gekommenen Pferde gekostet, nicht aber auch welcher Gattung sie gewesen sind. Dagegen berichten die Geschichtstreiber, dass König Johann ohne Land (1190-1216), obwohl sonst trauriger Held, hundert schwere Hengste aus Flandern und Holland importierte, um sie mit Stuten des kaltblütigen Schlages zu kreuzen.

Derartige Importe fanden auch unter Edward II (1307-1327) statt, nur liess dieser König bald kaltblütige Hengste zu Zuchtzwecken,bald Streitrosse lombardischer Rasse im Ausland ankaufen. Sein Nachfolger König Edward III (1327-77) dagegen suchte die Interessen der Landespferdezucht nicht durch Importe zu fördern, sondern erliess statt dessen kurzer Hand ein strenges Pferdeausfuhrverbot. Er scheint somit der Ansicht gewesen zu sein, dass eine weitere Einfuhr fremden Blutes überflüssig geworden und Reinzucht mit vorhandenen Material das geeigneste Mittel sei, dauernde züchterische Erfolge zu erzielen.

Strenge Zuchtauflagen

An Zeit, den praktischen Wert dieses Systems zu erproben, hat es nicht gefehlt, vergingen doch nun nahezu zwei Jahrhunderte, bevor von seiten der englischen Könige wieder Massregeln zur Hebung der Landespferdezucht ergriffen wurden. Was spezielldie Zucht des “Great Horse” betrifft, so blieb diese sich vollkommen selbst überlassen, bis der ebenso energische wie despotische König Heinrich VIII(1509-47) den Thron bestieg.

Von dem Augenblick an aber konnten sich die Züchter jenes Pferdeschlages nicht über Vernachlässigung ihrer Interessen beklagen. “Bluff King Hal”, wie der streitbare Monarch auch genannt wurde, tat des Guten eher zuviel als zu wenig. Kleine, schwächliche Pferde waren ihm ein Greuel. Seine zahlreichen, zum Schutz der Pferdezucht erlassenen Verordnungen bezweckten hauptsächlich die Produktion grösserer, schwerer Pferde zu fördern. Dreijährige und ältere Hengste unter 15 hands(153 cm)durften in den Shires nicht mehr zusammen mit Stuten und Stutfohlen die Weide beziehen, zur Zucht ungeeignete Stuten sowie auch solche Walaache, die zu klein und schwach für die landwirtschaftliche Arbeit beblieben, musste der Eigentümer ohne Widerrede vertilgen, alle Besitzer oder Pächter grösserer Güter wurden verpflichtet, mindestens zwei anständige Zuchtstuten zu halten, das Pferdeausfuhrverbot wurde auf Schottland ausgedehnt, was zur Folge mit verraterischer Handlung bestraft werden konnte und schließlich errichtete der König, um den Züchtern mit guten Beispiel voranzugehen, selbst ein Gestüt, in dem Pferde des grössten Schlages gezogen wurden. Es lässt sich somit nicht in Abrede stellen, sadd England Heinrich VIII unendlich viel für die Entwicklung seiner kostbaren Shire-Rasse zu verdanken hat. Interessant ist auch, dass unter diesem König die Shires zum ersten Male in Verbindung mit der des “Great Horse” genannt worden sind. Seitdem heißt das in Lincolnshire und Cambridgeshire, sowie in den Graftschaften Huntington, Northampton, Leicester, Nottingham, Derby, Warwick und Stafford gezogene “Grosse Pferd”

Shire Horse

Schwerer Schlag teurer

Aus den Aufzeichnungen, die über eine im Jahre 1620 von König jacob I(1603-25) beabsichtigt gewesene, aber nicht zur Ausführung gelangte kriegerische Expedition geführt worden sind und die genaue Berechnungen über die hierzu erforderlichen Geldmittel enthalten, geht hervor, dass die schweren Pferde zu damaliger Zeit bedeutend teurer waren als die leichten Schläge.

Während erster mit 15 Pfd.St. pro Stück bezahlt werden mussten, kosteten letztere nut 9Pfd.St. pro Stück. Jene Vorfahren des heutigen Shirepferdes werden aber auch von den hippologischen Schriftstellern des 16. und 17. Jahrhunderts als ganz außerordentlich leistungsfähige Tiere geschildert. Andere schreiben dass sich das “Great Horse” durch eine vorzügliche Aktion auszeichne, eine eigenschaft, die bekanntlich auch bei dem Shirepferd unserer Tage hervortritt.

Die Königin Anna(1702-14) war eine enthusiastische Bewunderin des in den Shires gezogenen schweren Zugpferdes, weshalb sie auch bei feierlichen Gelegenheiten stets ein Achtergespann von Stuten dieser Rasse zu benützen pflegte. Als Verbesserungen der Straßen und Wege deutliche Fortschritte erzielten, begann man, für den Dienst vor der Karosse eine Kreuzung von Shirestuten mit warmblütigen Hengsten umzusetzen. Schnell waren die Shires nicht aber wenn es darum ging Lasten zu bewegen, ließ er seinen Führer nie im Stich.